eine alternative Berichterstattung

THE WHOLE EARTH. – in Stücken. Ein Blog

Wie berichtet man über die Welt im Ganzen? Wenn alles zusammenhängt und sich gegenseitig durchdringt? Wie berichten man über komplexe, globale Themen, Diskurse und Theoreme? Wie über Widersprüche und unvereinbare Positionen? Andere Sichtweisen? Wo liegen die Herausforderungen und vielmehr noch – wo liegen die Möglichkeiten? Für diese Versuchsanordnung haben sich freie Journalisten aus dem Weiterbildungslehrgang Journalismus des BildungsWerk in Kreuzberg zusammengetan und berichten online für das HKW: neugierig, kritisch und abseits des Gewohnten. Zur WHOLE EARTH KONFERENZ covern die Nachwuchsjournalisten Ausstellung, Konferenz und Hintergründiges – mit Perspektiven aus verschiedenen Ländern, Biographien und fachlichem Fokus.

Eine Einordnung

In einer Welt, die geographisch und ökologisch als Ganzes gesehen werden muss – aber politisch, sozial und wirtschaftlich disparate, scharfkantige Einzelteile aufweist, werden Orientierung und Positionierung zunehmend schwieriger. Die Herausforderung für jede Berichterstattung ist es, das Ganze ohne hegemoniale, dominante Perspektiven zu vertreten und ohne sich in kulturrelativistischer Gleichmacherei zu verlieren. Nicht den Fehler zu machen, zwischen Wahrheit und einem anything goes zu wählen, sondern Aspekte und Perspektiven zu suchen, die ein Verstehen und Weiterdenken ermöglichen. Der Ansatz, eine abweichende, schillernde Stimmenvielfalt mit einer zuweilen ungewohnten Sprache zu nutzen, ist eine Antwort auf die Misere, die zunehmend auch in den Massenmedien bedauert wird: Während sich die Welt verändert, Gesellschaften heterogener und dissonanter werden, wird dieser Pluralismus in den Medien kaum abgebildet – es wird am Bild des nationalen und kulturellen Ganzen festgehalten. Alles andere scheint unvorstellbar. So werden viel zu häufig Stereotypen und Klischees produziert, die eine Angst vor dem Fremden transportieren. Und jene Stimmen, die selbst als Andere und Fremde gelten bleiben stumm. Und ändern nichts an der Unvorstellbarkeit einer anderen Welt. Umso wichtiger ist es, neue und angemessene Gesprächsformen für die spürbar zusammen wachsende Welt zu finden. – Und zumindest andere Stimmen, Sprachweisen und Haltungen zu erproben. Entsprechend greifen die Kernthemen des Blogs die des Gastgebenders HKW auf: In  welcher Zukunft wollen wir leben? Wie können wir unsere Welt intelligenter,  partizipativer aber auch poetischer gestalten? Dies wird mit einer kritischen, journalistischen Perspektive verbunden: Ist es möglich, sich dabei moralischen Bewertungen, Selbstbehauptungsstrategien  und Machtansprüchen – religiöser, rassistischer  oder sprachlicher Art – zu entziehen und sie statt dessen neu zu arrangieren?

Die Welt In Stücken

Entsprechend zitiert der Blogtitel „in Stücken“ den Ethnologen Clifford Geertz. Dessen Bild einer Welt in Stücken – ganz und doch niemals ganz – ist die Kippfigur, die von den Blogautoren im Rahmen der Ausstellung The Whole Earth zur Diskussion gestellt wird. Und die hier aus den Einzelteilen, den Splittern und Stücken des Ganzen heraus beleuchtet werden. Vielleicht – um nochmals Geertz anzubringen – gilt es, sich an die Splitter zu halten, und in jedem davon ein Kaleidoskop und dessen Leuchtkraft zu erkennen.

Wer spricht?

Dieser Blog unternimmt den Versuch, kritisch-reflektierend aus transkultureller Perspektive zu berichten und sich den Fragen rund um das Ganze zu stellen – in Stücken. Die partizipative Versuchsanordnung rund um THE WHOLE EARTH KONFERENZ und Ausstellung versteht sich als inhaltlich unabhängige Ergänzung. Dazu haben sich 12 angehende Journalisten aus aller Welt zusammengeschlossen. Durch ihre variierenden biographischen Profile sowie fachlichen Foki bringen die Autoren dissonante und kritische Sichtweisen mit. Diese prägen die hier im Blog versammelten Berichte, Interviews und Kommentare, wenn auch mit Blick auf Nachvollziehbarkeit und Information.

Die Redaktionsleitung

Quellen: Geertz, Clifford. Welt in Stücken. Kultur und Politik am Ende des 20. Jahrhunderts. Passagen Verlag, Wien 1996. Dreßler, Angela. Nachrichtenwelten. Hinter den Kulissen der Auslandsberichterstattung. Transcript, Bielefeld 2008. Robertson, Alexa. Mediated Cosmopolitanism. The World of Television News. Polity Press, London 2010. Vielfalt sollte Chefsache sein. Interview mit Sheila Mysoreka von Daniel Bax. 28.05.2013. Unter: http://taz.de/Journalistin-ueber-Migranten-in-Medien/!116989/ Die andere Parallelgesellschaft von Daniel Bax. 28.05.2013. Unter:  http://taz.de/Migrnten-in-Medien/!116962/